Als ich im Netz das erste Mal von Kartoffelschalen-Chips aus dem Air Fryer gehört habe, war ich direkt hin und weg. Ich liebe salziges, insbesondere Chips. Unglücklicherweise habe ich bislang noch keine Variante mit weniger als 450-550 Kalorien finden können.
Umso interessierter war ich, als ich von dieser kalorienarmen Chips Variante erfuhr. Da meine Frau eine begnadete Köchin ist und irgendwie fast nie nein sagt, wenn ich mit Rezepten ankomme, kam ich schnell in den Geschmack der Kartoffelschalen Chips.
Die ersten zwei Ladungen haben mich nicht vom Hocker gehauen – allerdings war von Version 1 zu Version 2 schon Besserung zu sehen (und schmecken). Spätestens mit Version 3 oder vielmehr Versuch 3 hat es mich vom Hocker gehauen. Ein absoluter Game Changer für alle die im Defizit sind und Kalorien sparen wollen. Leider habe ich später einen recht großen Haken gefunden, doch dazu später mehr.
Kartoffelschalen-Chips aus dem Air Fryer

Zunächst einmal brauchst Du Kartoffeln, am besten Bio, ohne schwarze oder grüne Stellen. Anschließend reinigst Du die Kartoffeln und schälst diese. Die Kartoffelschalen kommen in ein Wasserbad und bleiben dort ca. 30-40 Minuten. Danach kommen die Schalen zum abtropfen auf ein Küchentuch.
Im nächsten Schritt geht es in den Air Fryer, hier muss man anfangs probieren wie lange man die Kartoffelschalen-Chips drin lässt. Abhängig von der Dicke der „Chips“ variiert natürlich auch die benötigte Zeit im Ofen bzw. Air Fryer.
Wenn die Schalen goldbraun aussehen, dann raus aus dem Ofen und nur noch Gewürze drüber. Wir haben eine Mischung als Salz und Paprikagewürz genommen.
Der kalorienarme Trend hat einen Haken
So und nun zum dicken Haken, diesen hatte ich ja anfangs bereits erwähnt. Man möchte meinen, das Kartoffelschalen-Chips super unbedenklich sind. Klar, kein Frittieren, keine Öle oder sonstige Besonderheiten. Es scheint ein perfekter, cleaner Snack zu sein. Oh und Lebensmittelreste verwertet man ja auch noch.
Hach – es hätte so schön sein können.
Das Problem an der Sache ist die Schale der Kartoffel. In dieser bzw. in deren Nähe kommen natürliche Glykoalkaloide wie α-Solanin und α-Chaconin vor. Diese Stoffe dienen der Pflanze als Schutz vor Schädlingen und Krankheitserregern.
Entscheidend ist nicht nur, welche Kartoffeln verwendet werden, sondern auch, wie viel von den Schalen gegessen wird. Aus einer kleinen Resteverwertung kann schnell eine grosse Snackportion werden. Damit ein konzentrierter Verzehr des Kartoffelteils, in dem Glykoalkaloide besonders häufig vorkommen. Kurzum – die Menge macht das Gift, leider. Also nichts mit meiner kalorienarmen Chips Alternative.
Die Details: Was steckt in Kartoffelschalen?

Kartoffeln gehören zu den Nachtschattengewächsen. Sie enthalten natürliche Glykoalkaloide, vor allem α-Solanin und α-Chaconin. Diese Stoffe finden sich überwiegend in und direkt unter der Schale. Besonders konzentriert können sie sich in Keimen, den sogenannten Augen, sowie in grünen und beschädigten Stellen befinden. Die Menge ist nicht bei jeder Kartoffel gleich. Lagerung, Licht, Beschädigungen, Keimung und Kartoffelsorte können den Gehalt beeinflussen.
Grünliche Stellen sind deshalb ein deutliches Warnzeichen. Auch ein bitterer Geschmack oder ein brennendes Gefühl im Mund können auf einen erhöhten Glykoalkaloidgehalt hindeuten. In höheren Mengen können Glykoalkaloide gesundheitliche Beschwerden verursachen. Möglich sind Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall. In schweren Fällen wurden auch Störungen des Nervensystems, der Atmung oder des Kreislaufs beschrieben.
Es ist also nichts, was man leichtfertig in Kauf nehmen oder riskieren sollte. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung, kurz BfR, rät ausdrücklich von Snacks ab, die überwiegend aus Kartoffelschalen bestehen. In einer offiziellen Empfehlung heisst es:
Alte, eingetrocknete oder keimende Kartoffeln, Kartoffeln mit grünen Stellen sowie Snacks die überwiegend aus Kartoffelschalen bestehen, sind für den Verzehr nicht geeignet.
Die vollständige BfR-Information gibt es hier.
Kartoffelschalen-Chips leider nicht zu empfehlen

Hach – es hätte so einfach sein können. Tja, die Suche geht wohl weiter.
Gar nicht essen oder wenn, dann nur überschaubare Mengen. Tja, das war es mit dem Trend bzw. der Alternative für mich. Ich habe mich schon gefreut und war drauf und dran mir eine große Schale dieser Chips Alternative reinzuhauen. Schaut man sich die Meldung genau an, dann wird schnell klar, es geht bei weitem nicht nur um offensichtlich grüne, alte oder keimende Kartoffeln.
Auch bei frischen Kartoffeln betrachtet das BfR Snacks, die hauptsächlich aus Schalen bestehen, kritisch. Da hilft dann vermutlich auch kein gründliches Waschen oder Bio Qualität.
Fazit: Nicht jeder kalorienarme Trend ist ein guter Snack
Kartoffelschalen-Chips wirken auf den ersten Blick wie ein cleverer Fitness- und Zero-Waste-Hack: wenig Kalorien und kein Öl. Der Trend zeigt aber auch, warum Ernährungstipps aus sozialen Netzwerken nicht nur nach Kalorien bewertet werden sollten.



